WINEDINE

Christian Wenger über Weine, Weinproduzenten, Restaurants & Hotels und Kulinarisches

Die besten Schweizer Weine

degustieren, mit den Winzern persönlich diskutieren und mit anderen Weinfreunden fachsimpeln. Die Präsentationen der Vereinigung Mémoire des Vins Suisses (MDVS) bieten diese einzigartige Möglichkeit exklusiv zweimal im Jahr in abwechselnd in unterschiedlichen Städten der Schweiz. Im März 2018 war es wieder soweit: 56 Produzenten aus der gesamten Schweiz zeigten im Hôtel de Ville in Sierre, was sie können anhand von drei Jahrgängen ihres Mémoire-Weines. Von diesem Paradewein jedes MDVS-Mitglieds werden jährlich 60 Flaschen eingelagert und bei den regelmässig stattfindenden Schatzkammerpräsentationen ausgeschenkt. Der ursprüngliche Ansatz der vor 14 Jahren gegründeten Vereinigung, anhand von gereiften Weinen aufzuzeigen, welches Potential und was für eine Altersfähigkeit die Schweizer Spitzenweine haben, wurde in Sierre erneut vollauf bestätigt. Der Weg von dieser Erkenntnis auf die Weinkarten der Restaurants allerdings ist (noch) weit. Meistens findet sich nur ein Jahrgang, und wenn es zwei oder drei sind, werden sie ohne einen Preisunterschied angeboten. Ausnahmen von der Regel gibt es, zum Beispiel auf der Weinkarte im Restaurant Georges Wenger in Le Noirmont. Das Problem bei den Schweizer Weinen scheint mir zu sein, dass einige sehr gut reifen können – aber nicht zwingend müssen. Ein Qualitätsgewinn, wie bei einem anfänglich untrinkbar kantigen Barolo oder einem tanninmächtigen Bordeaux, ist mit einer längeren Lagerung nicht verbunden. Sonst würden diese Weine in einer Holzkiste und nicht in einem Karton ausgeliefert, der einem feuchten Keller nur wenige Monate gewachsen ist. Auch ist das Konzept des eingelagerten damaligen Paradeweins mittlerweile 14 Jahre alt. Rebberge und Sortimente der meisten Produzenten haben sich verändert. Neues, Interessantes ist dazugekommen. Die Frage ist auch, ob der eher rückwärtsgewandte Name „Mémoire” nicht in Richtung „Heute und Zukunft” erweitert werden könnte oder sollte: Als Synonym für die derzeit besten und interessantesten Schweizer Weinproduzenten aus allen Schweizer Weingegenden. Hier hat sich das MDVS eine einzigartige und äusserst verdienstvolle Plattform geschaffen. In der Begegnung untereinander, im offenen Austausch in drei Landessprachen liegt der besondere Reiz des MDVS und den Veranstaltungen. Das ist, bei der sonst sprichwörtlichen Schollenverwurzelung der Schweizer (Wein-)Bauern, grossartig und alles andere als selbstverständlich. Dass einige bekannte Namen*** noch fehlen, mag seinen Grund auch darin haben, dass es überall Verweigerer gibt, die es mit der Begründung von Groucho von den Marx-Brothers halten, der einst erklärte: „Ich will keinem Verein angehören, der mich als Mitglied aufnehmen würde”. Muss man akzeptieren, aber spätestens überprüfen, wenn das MDVS jedes Jahr Synonym, Siegel und Garant für die besten 50 oder 60 Schweizer Weinproduzenten wäre. Jedes Jahr die vollständige Spitze der Pyramide an der sich Weinfreunde, Händler, Importeure, Gastronomen und Weintrinker orientieren können. Einen noch nicht vollständigen Vorgeschmack gibt es auf der nächsten Veranstaltung des MDVS am Montag, 27. August 2018 im Schiffbau Zürich: https://www.swiss-wine-tasting.ch

*** zum Beispiel Gantenbein, Grünenberger, Sprecher von Berneck, Broger, Zanini, Monti, Histoire d’Enfer, Zuffrey (Nicolas), Novelle, Neyroud-Fonjallaz, Leyvraz, Massy.


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