Vita

Christian Wenger (Jahrgang 47) lebt in der Alta Langa im Piemont, wo er eigenen Wein anbaut und in Hamburg. Er schrieb viele Jahre über Wein für die Financial Times, Stern, Feinschmecker, Alles über Wein u.a. Parallel betrieb er das W+P Büro für Kommunikation, Hamburg, spezialisiert auf ganzheitliche Corporate Identity, Strategien, Konzepte, Projekte für Unternehmen, Medien und Märkte. U. a. für Schweizer Rück, Deutsche Börse, Fraunhofer Gesellschaft. Davor Studium der Germanistik und Soziologie, Redakteur bei DIE ZEIT und ZEITMagazin, Vorstandsassistent und Objektmanager bei Gruner+Jahr, Verlagsleiter und Geschäftsführer bei WIRTSCHAFTSWOCHE, Düssseldorf, MANAGER MAGAZIN und DER SPIEGEL, Hamburg.

Christian Wenger, Studies of Literature and Sociology, is Wine Writer for „Stern”, „Financial Times”, „Süddeutsche Zeitung”,”Der Feinschmecker” and „winedine.de” Member of FIJEV International Federation of Wine and Spirits Writers, Slow Food. Christian lives in Piemonte and Hamburg and loves Nebbiolo and all good sparklings.

WINEDINE

Christian Wenger über Weine, Weinproduzenten, Restaurants & Hotels und Kulinarisches

Grüner Daumen

da mittlerweile über 15% der Weinberge in der Champagne biologisch bearbeitet werden (davon bisher 3 % bio zertifiziert), ist es eigentlich nicht weiter erwähnenswert, wenn weitere dazukommen. Immerhin produzieren etliche Marken schon seit längerer Zeit biologisch hergestellte Champagner: z.B. Beaufort, Drappier, Duval-Leroy, Fleury, Lanson. Wenn sich aber das in Frankreich grösste Champagner-Haus dazu entschliesst, die erste Organic-Cuvée auf den Markt zu bringen, darf das hier kommentiert werden.
Nicolas Feuillatte liegt mit jährlich 12 Mio Flaschen auf dem französischen Markt an der Spitze, weltweit nach Moet & Chandon und Vranken-Pommery an dritter Stelle. Auf dem Welt-Schaumweinmarkt hat sich Henkell Freixenet an die erste Position vorgearbeitet. In Deutschland erreicht deren Marke Fürst Metternich ein Flaschenvolumen von 13,6 Mio. Davon wird allerdings nur die in kleiner Auflage für die Gastronomie erzeugte Prestige-Kollektion in der mit Nicolas Feullatte vergleichbaren Flaschengärung erzeugt. Der Löwenanteil von Metternich kommt aus dem Tank.
Um 12 Mio Flaschen Champagner produzieren zu können, muss man Zugriff haben auf viel Rebfläche. Die Union Vinicole Nicolas Feuillatte ist eine Genossenschaft von Genossenschaften: sie vereinigt 5000 Traubenproduzenten aus 82 Genossenschaften mit insgesamt 2.100 Hektar Rebflächen verteilt über die gesamte Champagne. Das entspricht nicht nur rund 6 % der für Champagner zugelassenen Fläche, sondern bedeutet bei den durch das Napoleonische Erbrecht inzwischen meist sehr kleinen Parzellen auch unzählige Besitzer. Das moderne neue Betriebsgebäude in Chouilly, nahe Epernay, besticht durch automatisierte Abläufe und viel Edelstahl und steht in einem deutlichen Gegensatz zu den Kreidekathedralen der klassischen Champagnerhäuser. Die Verarbeitung der Trauben erfolgt in den einzelnen Genossenschaften, in Chouilly lagern die Grund- und Reserveweine.
Der neue Organic stammt von Weinproduzenten, die teilweise seit 2009 biologisch arbeiten. Sie wurden während der dreijährigen Umstellungsphase begleitet und motiviert. Schliesslich war bekannt, das hinterher mit 25-30 % geringeren Erträgen zu rechnen war als beim konventionellen Anbau und am Anfang insbesondere mit den unmittelbaren Nachbarn Konflikte programmiert waren. Im Gegenzug beträgt der Erlös für ein Kilo Trauben gut 30-50 % mehr als die vom Champagnerverband jedes Jahr festgelegten Traubenpreise, die je nach Qualifikation der Lage im letzten Jahr zwischen 6 und 6.80 Euro pro Kilo lagen. Parallel profitieren alle Genossenschaftswinzer von der eigens gegründeten „Champagne Academy” die jeden Winzer und jede Winzerin individuell betreut und Hilfestellung gibt bei Bodenanalysen, Rebschnitt, Zertifizierungsprogrammen, Schulungen administrativen oder juristischen Fragen.
Guillaume Roffiaen (*1975) ist seit 2017 als der verantwortliche Kellermeister bei Nicolas Feuillatt . Seit 2014 im Unternehmen als Leiter des Bereichs Önologie und Qualität, davor 12 Jahre als Önologe und Chef de Caves bei Drappier,e. Er hat den Organic komponiert auf Basis der Lese 2013. Er besteht aus 60 % Pinot noir und 40% Chardonnay in wohlabgestimmter Balance zwischen dem Norden und Süden der Appelation und in der Stilistik ein unverkennbarer Nicolas Feuillatte-Champagner. Nach fünf Jahren Reife wurde der Wein mit 4.3 g/l Zucker dosiert – ist also ein extra brut. „Dosage ist nicht eine Frage des Zuckers, sondern der Grundweine, die wir verwenden. Deshalb lässt sich das nicht festschreiben. 80% der Weine ohne Dosage fehlt eine solche. Deshalb müssen Weine, die ohne Dosage auf den Markt gehen sollen, im Weinberg erarbeitet werden.” sagt Roffiaen und erlaubt einen Blick auf die grossen Holzfuder, in denen seine Likör- d.h. Dosageweine schlummern. „Ich habe dafür 150 Weine zur Verfügung, der älteste ist aus 2009, das sind meine Medizin-Weine.” Dabei kann dann manchmal durchaus ein bisschen Holz durchschimmern, wie zum Beispiel beim Terroir Premier Cru. Der Organic eignet sich gleichermassen als Aperitif wie dank seiner Reife auch als Speisenbegleiter. Er kostet im Weinfachhandel 39 Euro.

Mit dem neuen Organic kommt zu den bisherigen sieben Produktlinien der Marke Nicolas Feullatte eine achte dazu. Diese Vielfalt übersteigt wahrscheinlich das Spektrum, das ein normaler Weintrinker überblicken und memorieren kann. Man denkt bei Nicolas Feullatte darüber nach, das Angebot etwas zu verschlanken und klarer zu strukturieren. Ob das Wort Bio bzw. Organic auf dem Etikett die Verkäufe beflügeln wird, bleibt abzuwarten. Bio+Champagner ist für viele Konsumenten noch nicht die Traumkombination. Im übrigen gibt es zahlreiche hochwertige Weinproduzenten, die ihre Bio-Produktion gar nicht weiter erwähnen, weil sie diese längst für eine Selbstverständlichkeit halten.

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Grossproduzent mit Highlights

Das Weinhaus Ruffino wurde 1877 in Pontassieve, im Gebiet des heutigen Chianti Rufina, von den Cousins Leopoldo und Illario Ruffino gegründet. Sie waren erfolgreich und verkauften ihre Weine an eine illustre Kundschaft, darunter der Herzog von Aosta und Guiseppe Verdi. Sie lieferten angeblich auch den ersten Chianti in der berühmt-berüchtigten bastumwobenen Fiasko-Flasche nach Amerika. 1947 brachten sie erstmals den Riserva Ducale d’Oro auf den Markt, der heute nur in exzellenten Jahren als Gran Selezione gemacht wird. Drei Jahre später folgte ein Rosatello in auffälligen tropfenförmigen Flaschen, der offensichtlich ideal dem damaligen Zeitgeist und Lifestyle entsprach. 1974 verabschiedete man sich von der Bastflasche und verkaufte fortan alle Chiantis in einer neuen Florentiner-Flasche. 2010 kam mit Modus IGT der erste Supertuscan auf den Markt, bestehend aus Sangiovese, Merlot und Cabernet Sauvignon. Gerade vorgestellt wurde der 2018er, von dem es 14.000 Flaschen geben wird. Ein Jahr später Alauda IGT, der mit einer Komposition aus Cabernet Franc, Merlot und Colorino und einer doppelt so langen Barrique-Ausbauzeit etwas schwergewichtiger und zum dreifachen Preis daherkommt.

Mangels Nachkommen der Ruffinos übernahm die Familie Folonari aus Brescia 1913 das aus mehreren Weingütern mit über 700 ha bestehende Unternehmen. Die eine Zweig der Familie verkaufte 2011 an den amerikanischen Getränkeriesen Constellation Brands 40%. 2012 erwarb dieser die restlichen 60% mit den sechs Weingütern und Marken Poggio Casciano, Montemasso, Santedame, Gretole, Greppone Mazzi and La Solatia und seit 2017 auch zwei Weingüter im Prosecco-Gebiet. Der andere Familienzweig mit Ambrogio und Sohn Giovanni an der Spitze sicherte sich die Weingüter Tenuta del Cabreo (Greve), Campo al Mare (Bolgheri), Tenuta La Fuga (Montalcino), Tenuta di Nozzole (Greve), Torcalvano (Montepulciano) und Vigne a Porrona in Cinigiano (Maremma) mit denen sie heute noch erfolgreich aktiv sind: Die ursprünglich 230 ha sind inzwischen angewachsen auf 350. Neffe Guido Folonari baute 2001 sein eigenes Weinunternehmen auf, das auf die drei B’s setzte: Bolgheri (Donna Olimpia), Brunello (Tenuta San Guido) und Barolo (Tenuta Illuminata). Die Tenuta San Guido wurde allerdings 2016 an ColleMassari verkauft.

Ruffino produziert derzeit 40 Weinmarken auf acht Weingütern mit 612 Hektaren und einigen zugekauften Trauben insgesamt 26 Millionen Flaschen Wein, etwas Grappa, Vermouth und Olivenöl. Das führt zu einem Umsatz von 106 Mio. Euro, der von 290 Mitarbeitern erwirtschaftet wird. Der durchschnittliche Erlös von knapp vier Euro pro verkaufter Flasche deutet darauf hin, dass der grössere Teil der 40 Weinmarken auf das einfachere Käufersegment abzielt. Auf Rückfrage bestätigt Ruffino, dass die unter „Icons” zusammengefassten sechs Gutsabfüllungen und Marken (Riserva Ducale, Riserva Ducale Oro, Romitorio di Santedame, Modus, Alauda, Greppone Mazzi) insgesamt nur 9% des Gesamtumsatzes ausmachen, der zu 58% von den Prosecco-Marken im Veneto dominiert wird. An den 26 Mio. Flaschen dürften die sechs Icons nur im knapp einstelligen Prozentbereich beteiligt sein. Die gesamte Weinproduktion wird geleitet und geführt von Gabriele Tacconi, der dem Unternehmen schon zu Folonaris Zeiten gedient hat und mittlerweile 26 Jahre angehört. Täglich ist er auf Tour in sämtlichen Weingütern und verfolgt die Entwicklung der Weine.

Nach amerikanischem Vorbild pflegt Ruffino eine betonte Kunden- und Gastfreundschaft: Freundlicher Empfang, begleitende Weinambassadoren, eigene Restaurants und stilvolles Gästehaus auf der Tenuta Montemasso nahe bei Florenz. Auf 174 Seiten des aktuellen Sustainability-Reports wird ausführlich über die zahlreichen Aktivitäten und Vorkehrungen im Sinne der Nachhaltigkeit, Personalförderung, Energieverbrauch etc. berichtet. Ruffino gibt sich mustergültig.

Liegt Ruffino mit einem Umsatz von 106 Mio. Euro bei den italienischen Weinunternehmen auf einem deutlichen zweistelligen Rangplatz, liegt Constellation Brands mit einem Weinumsatz von 2.3 Milliarden auf Platz zwei der umsatzstärksten Weinunternehmen der Welt. Unangefochten an der Spitze die Ernest&Julio Gallo Winery mit 4.5 Milliarden. Durch den Aufkauf des schwächelnden Imperiums von Robert Mondavi kamen sie 2004 auch zu Woodbridge, Robert Monavi und einem 50% Anteil an Opus One. 2017 aquirierten sie Schrader Cellars mit dem berühmten To Kalon-Cabernet. Zahlreiche Kellereien, Whiskymarken und andere Getränke gehören mittlerweile zum Portfolio. Die neueste Meldung berichtet von einer Markenzulassungsvereinbarung mit Coca Cola für die Produktion von Fresca Mixed, einer Linie mit trinkfertigen Cocktails auf Spirituosenbasis ”mit vollem Geschmack„. Constellation soll die Getränke herstellen, vermarkten und vertreiben. Bleibt abzuwarten, ob die italienische Tochter hier auch tätig werden muss.

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Prachtsstück

der Bremer Weinhändler Heiner Lobenberg fiel in den vergangenen 30 Jahren immer mal wieder auf: Jährlich präsentierte er den umfangreichsten Weinkatalog, versammelte fast ausnahmslos alle wichtigen Produzenten in seinem Angebot über die er Texte schrieb, die sich vom üblichen Preislisten-Geschwafel auf angenehme Weise abhoben. Der Ordnung halber sei erwähnt, dass es auch sehr lesenswerte Preislisten z.B. aus Nürnberg oder aus München gab/gibt.
 
Dass Lobenberg, zwei Jahre nachdem er die Geschäfte formal an seinen Sohn Luca übergeben hatte, der vor allem die Digitalisierung vorantreiben sollte, nun einen gedruckten Katalog vorlegt, der alles sprengt, was bisher an Weinkatalogen erschienen ist, mag erstaunen: 1448 Seiten, 4.200 Gramm über Regionen, Produzenten und ihre Weine. Das Schwergewicht versammelt wie ein Who is Who rund 800 Winzer, die er alle mindestens einmal besucht und vor Ort gesprochen hat. Das ist beeindruckend und gleichzeitig gemütliche Lektüre für Stammkunden (nicht nur für lange Kaminabende). Diesen wurde das gute Stück zugeschickt, immerhin pro Kunde ein Aufwand von gut 20 Euro für Druck und Versand. Interessenten sollten anfragen bei gute-weine.de. Vielleicht ist noch über ein Exemplar zu reden.
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Sizilien als Aufgabe

Die Geschwister José und Antonio Rallo arbeiten in der fünften Generation im Weinbau auf Sizilien. 1983 gründeten ihre Eltern Giacomo und Gabriella im Westen Siziliens das Weingut Donnafugata. In den folgenden Jahren erweiterten die Rallos ihre Rebflächen in Sizilien auf 410 Hektar, verteilt auf vier Produktionsstätten: Contessa Entelina im Westen Siziliens. Hier werden auf 283 Hektar autochthone und internationale Rebsorten angebaut. Am Ätna, auf der gegenüberliegenden Seite der Insel, bewirtschaftet Donnafugata an der Nordflanke des Vulkans in fünf unterschiedlichen Lagen 18 Hektar Rebflächen. In Vittoria im Südosten Siziliens wächst auf 36 Hektaren unter anderem Floramundi. Auf der Vulkaninsel Pantelleria, 140 Kilometer von Marsala entfernt, näher bei Afrika als bei Sizilien, hegen und pflegen die Rallos 68 Hektar in 14 verschiedenen Lagen. Das Hauptquartier befindet sich in der historischen, 1851 erbauten Familien-Kellerei in Marsala, insgesamt beschäftigt Donnafugata an den fünf Standorten insgesamt 100 Mitarbeiter.

Antonio Rallo, Agronom und Weinmacher von Donnafugata, engagiert sich intensiv mit dem Weinbau auf Sizilien und präsidiert derzeit die 8300 Mitglieder des Consortiums für die sizilianischen DOC Weine. Donnafugata führt er zusammen mit seiner Schwester José, die sich um Organisation und Marketing kümmert und Mitglied ist im Board von Assovini, in dem 90 der grössten Weinbetriebe Siziliens vertreten sind. Darüberhinaus ist sie eine begnadete Sängerin.

Ein kurzer Blick zurück: Sizilien, Im Zentrum des Mittelmeers gelegen, hat eine äußerst bewegte Vergangenheit. Geprägt von Phöniziern, Griechen und Karthagern, von Römern, Vandalen, Ostgoten, Arabern, Normannen, Spaniern, Bourbonen, von Savoyen und Österreich und für 52 Jahre vom deutsch-römischen Kaiser Friedrich II., Barbarossa. Auch nachdem Giuseppe Garibaldi die umkämpfte Insel 1861 zu einem Teil Italiens gemacht hatte, wurde es nicht ruhiger. Man wehrte sich mit Aufständen gegen die Gängelei aus Turin und Rom, später jagte Mussolini die Mafia, 1943 landeten die Alliierten, nach dem Krieg wurden die Großgrundbesitzer durch eine umfassende Landreform enteignet. Eigenständig sind auch die Weine der Sonneninsel. Im Lauf der Jahrhunderte unter dem Einfluss verschiedener Nationalitäten entwickelte sich eine fantastische Vielfalt und machte die Insel zu einem einzigartigen Rebsorten-Reservat, das in den letzten Jahren – nach vorübergehender Bevorzugung internationaler Rebsorten – wiederentdeckt wurde. Ein erstes Mal berühmt für seinen Wein wurde Sizilien durch den Marsala, vielen leider nur noch bekannt als aromatisierender, süßer Kochwein. Vom Glanz jener Jahre zeugen in Trapani nur noch eine Handvoll der einst 200 Marsala-Betriebe, die von Engländern begründet wurden und mit den Weinen hauptsächlich ihre Landsleute in Britannien belieferten. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass der größte noch produzierende Marsala-Hersteller, Florio, die mehr als einen Kilometer langen Produktionshallen direkt am Wasser von einer eingegangenen Thunfischkonservenfabrik übernommen hat. Auch jenes Gewerbe blühte während vieler Jahre und brachte Geld und Glück in die Region von Trapani. Das zweite Mal kamen Siziliens Weine ins Gespräch, als die kraftvollen modernen Rotweine ein ums andere Mal mit den begehrten 3-Gläser-Auszeichnungen des einflussreichen italienischen Weinführers „Gambero Rosso“ ausgezeichnet wurden. Sie räumten mit den Vorurteilen langer Jahre, wonach die sizilianischen Weine wegen der vielen Sonne breit, schwer und alkoholsüß seien, gründlich auf und beweisen jedes Jahr aufs Neue, dass aus einheimischen Traubensorten wie Nero d‘Avola, Frappato, Nerello Mascalese, oder Nerello Cappuccio und weißen Rebsorten wie Grillo, Inzoglio, Ansonica, Carricante, Catarratto oder Zibibbo elegante, fein strukturierte und eigenständige Weine entstehen können. Obwohl der Anteil an Rotweinen in den vergangenen Jahren zunimmt, produziert Sizilien immer noch mehr Weiß- als Rotwein. Neben Grillo, den Weinen aus Vittoria (Provinz Ragusa) gelten bei vielen Weintrinken und -Journalisten auch die Weine vom Ätna als Stars. Rund um den Vulkan, mit 3345 Metern deutlich höher als die Zugspitze, haben sich in den vergangenen Jahren auch Winzer vom italienischen Festland angesiedelt, reanimierten alte Rebberge oder pflanzten neu an. Sie produzieren dort bis in 1200 Metern Höhe Weißweine von erstaunlicher Komplexität und Tiefe aus der Rebsorte Carricante und finessenreiche Rotweine aus Nerello-Mascalese. Rot und Weiß profitieren von den kühlen Nachttemperaturen, dem schwarzen mineralischen Lavagestein und teilweise noch alten wurzelechten Rebstöcken, die der Reblausplage entgangen sind.

Donnafugata ist mittlerweile Siziliens grösster Weinproduzent in privater Hand. Der vor fünf Jahren verstorbene Vater Giacomo prägte massgeblich die Entwicklung des qualitativen Weinbaus auf Sizilien. Seine Frau Gabriella inspirierte die vom Künstler Stefano Vitale handgemalten Labels der Donnafugata-Weine und war Gründungsmitglied der „Associazione Nazionale Donne del Vino”.

Donnafugata produziert mittlerweile 25 verschiedene Weine, Grappas und Olivenöle an den vier Standorten auf Sizilien und der Insel Pantelleria. Alle Weine sind sorgfältig abgestimmt auf die jeweiligen Lagen, Mikrozonen und die Möglichkeiten des Terroirs, grosser Wert wird auf nachhaltige Produktion gelegt. Antonio Rallo: „Wir konzentrieren uns auf die Wechselwirkung zwischen Boden, Mikroklima und Rebsorte und dann auf den Ausdruck des organoleptischen Potenzials, das wir im Keller haben”. Die bekanntesten Weine von Donnafugata sind die Rotweine MilleunaNotte und Tancredi, die auf Contessa Entelina entstehen und Ben Ryé, der bernsteinfarbige Passito von Pantelleria. In den letzten Wochen startete Donnafugata die Contrada Marchesa, eine zwei Hektar großer Weinberg in Castiglione di Sicilia am Ätna. Eine limitierte Auflage von 6.000 Flaschen für einen Rotwein von extremer Finesse, im Gleichgewicht zwischen Körper und Frische. Der Weinberg befindet sich in einem natürlichen Amphitheater aus tausendjährigen Lavaströmen auf sandigen Böden vulkanischen Ursprungs. Antonio Rallo erklärt: „Der Weinberg Contrada Marchesa liegt 750 Meter über dem Meer und ist besonders sonnig und luftig. Der Weinberg ist teils in Cordonanbau, teils aus über 80 Jahre alten Buschpflanzen. Letztere produzieren sehr wenig, weniger als 1 kg pro Pflanze, liefern aber aussergewöhnliche Trauben.“ Seit 1983 hat Donnafugata systematisch und konsequent die Insel erobert, um im Sinne eines interessanten, breiten Angebots von den unterschiedlichen Terroirs und Traubensorten zu profitieren. Sizilien als Aufgabe.

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Die Kraft der Tradition

Auch in Italien sind es nur wenige Familien, deren Stammbaum lückenlos bis ins Mittelalter dokumentiert ist. Die Principe Corsini aus Florenz gehören dazu. Bereits 1363 kaufte die Familie 18 Kilometer ausserhalb von Florenz die Tenuta Le Corti und produzierte als heute ältestes Gut in der Toskana Wein und Olivenöl. Zahlreiche Mitglieder der Corsinis dienten dem Staat in verantwortlichen Positionen, waren Bischöfe, einmal Papst und erfolgreich im Handel mit Wein, Olivenöl, Seide, Getreide und Fisch.

Duccio Corsini (56) bwohnt mit seiner Familie die Villa Le Corti mit einem Grundbesitz von 250 Hektaren, davon 49 für die Weinproduktion und 65 für Olivenöl. Die Villa, an der Strasse Florenz-Siena, Ausfahrt San Casciano, inkl. einer Führung durch das Weingut kann nach Voranmeldung besichtigt werden. Sie entstand 1604 aus der Tenuta.  Imposant das Corsini-Archiv mit Dokumenten aus den ersten Jahren der Familie in Florenz. Eine Osteria auf dem Gelände bietet abends und am Wochenende auch mittags typische Gerichte der Gegend. Es gibt zwei komfortable Ferienappartements mit Pool, ebenso Kochkurse und einen Shop mit den Weinen und Olivenöl aus der eigenen Produktion.

Neben der Villa Le Corti gibt es in mitten Florenz den Palazzo Corsini mit einem riesigen, in französischer Art gestalteten Garten. Hier wohnt der Principe Fürst von Sismano und Herzog von Casigliano FilippoIX (84), der Vater von Duccio. Das zweite Weingut liegt in der Maremma, wo die Corsinis, lange vor dem Maremma-Trend, 1759 die Tenuta Marsiliana im Hinterland von Manciano erworben hatten. Hier entstehen die Weine „Marsiliana” (€ 27.50), „Birillo”(€ 13.00) und „Vermentino” (€9.95). Beide Rotweine basieren auf Cabernet Sauvignon-, Petit Verdot und Merlot-Trauben, die in der Maremma deutlich bessere Ergebnisse bringen als der Sangiovese. Das Castello Marsiliana wird geführt von Elena Sabina, Duccios Schwester. Unter den Weinen der Villa Le Corti wird schon der Basiswein, der Chianti Classico „Le Corti”(€ 15.50) von der internationalen Weinkritik stets sehr gut bewertet. Die Riserva des Chianti Classico ist der „Cortevecchia” (€ 21.50) und viele Jahre an der Spitze der Pyramide der „Don Tommaso” (€ 30.00). Bis vor fünf Jahren der „Zac” (€ 50.00) auf den Markt kam, ein reinsortiger San Giovese von ausgesuchtem, erstklassigen Terroir, der von seiner Herkunft her ein Chianti Classico sein könnte, aber es nicht sein will, weil er, inzwischen zwar auch eine „Gran Selezione” wie der „Don Tommaso”, höhere Ambitionen hat, die er ohne Zweifel auch erfüllt. Die Weine „Fico”(€115) und „Per Filo” (€50) entstanden 2015 und 2017 nach den Ideen des tödlich verunglückten Sohnes Filippo. Beide reinsortige San Giovese, biodynamisch in sehr kleinen Mengen erzeugt. Ein Rosé-Spumante, ein Rosé aus Sangiovese und ein Vin Santo runden das Angebot ab. Der Beginn für den qualitativen Aufstieg der Corsini-Weinproduktion entstand 1992 im Zusammentreffen von Duccio Corsini mit Carlo Ferrini, einem beratenden Weinmacher und Sangiovese-Spezialisten. Zusammen stellten sie Weinberge und die Arbeiten im Keller um und folgten modernen, zukunftsversprechenden Vorstellungen. *Preise Weinshop Villa Corti

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Präzise Expansion

Auch wenn die Poderi Luigi Einaudi der grösste Produzent in Privatbesitz sind, die „Dogliani”, den Dolcetto aus Dogliani herstellen, würde man ihnen Unrecht tun, wenn man sie auf auf diesen, vor allem von den Einheimischen geschätzten Alltagswein reduzierte. Das Weingut war vor zwei Jahren in den Schlagzeilen, als es 1.5 Hektar Monvigliero kaufte, einer der besten Weinberge der Barolo-Zone. Man sprach von einem Kaufpreis von 3 Millionen Euro. Damit gehören den Poderi Luigi Einaudi zurzeit über 13 Hektaren feinster Barolo-Lagen, neben 150 Hektaren Land, davon 54 unter Dolcetto-Reben. 

Luigi Einaudi*, geboren 1874, gründete das Weingut kurz nach seinem Studium, 23-jährig, allerdings nicht auf dem Hügel südlich über Dogliani, wo es sich heute befindet, sondern in San Giacomo, nördlich von Dogliani. Ihm folgte sein Sohn Roberto, der zugleich in den USA im Edelstahlgeschäft Karriere und Furore machte. In den 1980er Jahren übernahm seine Tochter Paola das Weingut und brachte es mit gezielten Investitionen in Reben und Keller auf ein höheres Qualitätsniveau. Seit ihrem Tod 2010 werden die Poderi Einaudi von Paolas Sohn, Matteo Sardagna Einaudi, in der vierten Generation geleitet. Er hat eine Steiner-Schule besucht und Architektur studiert bevor er sich ab 1998 in das Weingut einarbeitete. Das Angebot umfasst 4 Barolos, Langhe Nebbiolo, Langhe Barbera, Moscato, Tocai Pinot Gris, zwei Mischsätze, zwei Dolcetto sowie einen Barolo Chinato und zwei Grappe. Insgesamt 350.000 Flaschen. Im eben fertiggestellten neuen Keller fallen 40 Betoneier mit imposanten Dimensionen ins Auge, deren Eigenschaften und Vorteile bei der Gärung und Lagerung genutzt werden. Unverändert werden auch Edelstahltanks, grosse Fuder und Barriques für den Ausbau der Weine eingesetzt.

*Luigi Einaudi war er Professor für Finanzwissenschaften in Turin, Lehrbeauftragter am Polytechnikum in Turin sowie der Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi in Mailand. Bis 1926 war er Redakteur bei La Stampa und dem Corriere della Sera sowie Korrespondent der britischen Wochenzeitschrift The Economist. 1935 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen. Seit 1947 war er gewähltes Mitglied der American Philosophical Society. Bereits 1918 hatte Einaudi unter dem Pseudonym Junius für ein föderales Europa plädiert. Als Gegner des Faschismus floh er im September 1943 über das Aostatal ins Wallis in die Schweiz. Er kehrte 1945 nach Italien zurück. Von 1946 bis 1948 war er Abgeordneter der verfassunggebenden Versammlung. Er war stellvertretender Ministerpräsident und Haushaltsminister im Kabinett De Gasperi IV. Am 11. Mai 1948 wurde er zum Staatspräsidenten gewählt. Seine Amtszeit endete am 11. Mai 1955; von diesem Tag bis zu seinem Tod war er Senator auf Lebenszeit. Der Verleger Giulio Einaudi ist ein Sohn, der Komponist und Pianist Ludovico Einaudi ist ein Enkel wie Matteo Sardagna.

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Konsequent, zäh, innovativ

Kalabrien, das Land an Italiens Stiefelspitze, zwischen Ionischem und Tyrrhenischen Meer, hiess bei den benachbarten Griechen „Enotria”, Land des Weines. Zwischen 250 und 300 eigenständige Traubensorten wuchsen dort. In der Folge liessen die Weine Kalabriens die Herzen der Weinfreunde nicht unbedingt höher schlagen: Alkoholreich, häufig brandig und oxidativ.
Das änderte sich, als die beiden Brüder Antonio und Nicodemo Librandi in Cirò Marina in den fünfziger Jahren den Weinbau des Familienweingutes in die Hand nahmen. Sie selektierten die besten Klone der autochthonen Sorten Gaglioppo und Greco Bianco und reduzierten in den siebziger Jahren drastisch den Hektarertrag der im Albarello-Verfahren gepflegten Reben. Das führte zu höherer Qualität, mehr Ausdruck und Charakter. In den achtziger Jahren erweiterten sie zwar unter dem Druck der Märkte die angebauten einheimischen Sorten auch um internationale Gewächse wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Chardonnay und Sauvignon blanc, haben aber gleichzeitig ein Faible für die alten und uralten einheimischen Sorten wie zum Beispiel Mantonico oder Magliocco, die neben 180 einheimischen Sorten in einem grossen Versuchsweingarten gepflegt werden.
Heute produziert Librandi in der vierten Generation auf 232 Hektaren jährlich über 2,5 Mio Flaschen Wein und 25.000 Flaschen Olivenöl. Diese werden in sechs unterschiedlich grossen Betrieben erzeugt und zu 55% im Inland abgesetzt. Bei den ausländischen Märkten domieren Deutschland, die Schweiz, Österreich, Frankreich, Luxemburg und Holland, gefolgt von weiteren 30 Märkten in der ganzen Welt.
Trotz dieser Menge ist Librandis Qualitätsanspruchi sehr hoch und wird auch von der Tochter und den drei Söhnen konsequent und zäh umgesetzt: Zahlreiche Höchstnoten, mehrfache 3 Gläser beim Gambero Rosso und Topnoten bei Galloni und Parker belegen, dass auch in Kalabrien Weine höchster Qualität entstehen können. Der Paradewein des Hauses, „Gravello” eine Cuvée aus dem autochthonen Gaglioppo (60%) und Cabernet Sauvignon feierte kürzlich seinen dreissigsten Geburtstag und unterstrich diesen hohen Anspruch in einer eindrucksvollen Vertikaldegustation.

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Die besten Schweizer Weine

degustieren, mit den Winzern persönlich diskutieren und mit anderen Weinfreunden fachsimpeln. Die Präsentationen der Vereinigung Mémoire des Vins Suisses (MDVS) bieten diese einzigartige Möglichkeit exklusiv zweimal im Jahr in abwechselnd in unterschiedlichen Städten der Schweiz. Im März 2018 war es wieder soweit: 56 Produzenten aus der gesamten Schweiz zeigten im Hôtel de Ville in Sierre, was sie können anhand von drei Jahrgängen ihres Mémoire-Weines. Von diesem Paradewein jedes MDVS-Mitglieds werden jährlich 60 Flaschen eingelagert und bei den regelmässig stattfindenden Schatzkammerpräsentationen ausgeschenkt. Der ursprüngliche Ansatz der vor 14 Jahren gegründeten Vereinigung, anhand von gereiften Weinen aufzuzeigen, welches Potential und was für eine Altersfähigkeit die Schweizer Spitzenweine haben, wurde in Sierre erneut vollauf bestätigt. Der Weg von dieser Erkenntnis auf die Weinkarten der Restaurants allerdings ist (noch) weit. Meistens findet sich nur ein Jahrgang, und wenn es zwei oder drei sind, werden sie ohne einen Preisunterschied angeboten. Ausnahmen von der Regel gibt es, zum Beispiel auf der Weinkarte im Restaurant Georges Wenger in Le Noirmont. Das Problem bei den Schweizer Weinen scheint mir zu sein, dass einige sehr gut reifen können – aber nicht zwingend müssen. Ein Qualitätsgewinn, wie bei einem anfänglich untrinkbar kantigen Barolo oder einem tanninmächtigen Bordeaux, ist mit einer längeren Lagerung nicht verbunden. Sonst würden diese Weine in einer Holzkiste und nicht in einem Karton ausgeliefert, der einem feuchten Keller nur wenige Monate gewachsen ist. Auch ist das Konzept des eingelagerten damaligen Paradeweins mittlerweile 14 Jahre alt. Rebberge und Sortimente der meisten Produzenten haben sich verändert. Neues, Interessantes ist dazugekommen. Die Frage ist auch, ob der eher rückwärtsgewandte Name „Mémoire” nicht in Richtung „Heute und Zukunft” erweitert werden könnte oder sollte: Als Synonym für die derzeit besten und interessantesten Schweizer Weinproduzenten aus allen Schweizer Weingegenden. Hier hat sich das MDVS eine einzigartige und äusserst verdienstvolle Plattform geschaffen. In der Begegnung untereinander, im offenen Austausch in drei Landessprachen liegt der besondere Reiz des MDVS und den Veranstaltungen. Das ist, bei der sonst sprichwörtlichen Schollenverwurzelung der Schweizer (Wein-)Bauern, grossartig und alles andere als selbstverständlich. Dass einige bekannte Namen*** noch fehlen, mag seinen Grund auch darin haben, dass es überall Verweigerer gibt, die es mit der Begründung von Groucho von den Marx-Brothers halten, der einst erklärte: „Ich will keinem Verein angehören, der mich als Mitglied aufnehmen würde”. Muss man akzeptieren, aber spätestens überprüfen, wenn das MDVS jedes Jahr Synonym, Siegel und Garant für die besten 50 oder 60 Schweizer Weinproduzenten wäre. Jedes Jahr die vollständige Spitze der Pyramide an der sich Weinfreunde, Händler, Importeure, Gastronomen und Weintrinker orientieren können. Einen noch nicht vollständigen Vorgeschmack gibt es auf der nächsten Veranstaltung des MDVS am Montag, 27. August 2018 im Schiffbau Zürich: https://www.swiss-wine-tasting.ch

*** zum Beispiel Gantenbein, Grünenberger, Sprecher von Berneck, Broger, Zanini, Monti, Histoire d’Enfer, Zuffrey (Nicolas), Novelle, Neyroud-Fonjallaz, Leyvraz, Massy.

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Wie wie entsteht ein Kultwein?

nur wenige italienische Weine aus der südlichen Toskana erscheinen regelmässig in den Katalogen der internationalen Weinauktionshäuser und in den Listen der meistgefragten auf Auktionen gehandelten Weine. Meistens liegen schon die geforderten Mindestgebote in Preisbereichen, die den Rahmen eines Tischweins für ein schlichtes Essen deutlich sprengen. Die Erfolgsgeschichten von Ornellaia, Sassicaia, Tignanello, Solaia und vor allem Masseto sind Legende und haben weinbegeisterte Investoren auf den Plan gerufen, die das Kapitel der sogenannten Supertuscans gerne weiterschreiben würden.
Einer von ihnen ist Georg Weber, Betriebswirt, knappe 40 Jahre alt, Inhaber der vor allem im süddeutschen Raum bekannten, erfolgreichen Dehner-Gartencenter. Er ist seit Gründer und Besitzer von Monteverro in Capalbio in der südlichsten Maremma, näher bei Rom als bei Florenz. Er hatte präzise Vorstellungen von seinem Wein-Ziel, als er 2003 rund 60 Hektar Acker- und Weizenland kaufte. Und er hatte Geld.
Er engagierte den international wohl erfolgreichsten Weinflüsterer und -consultant Michel Rolland und holte sich die französischen Terroir-Spezialisten Claude und Lydia Bourguignon, welche die Eignung der roten, stark mineralhaltigen Böden auf 50-80 Metern ü. Meer für die französischen Rebsorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Petit-Verdot, Syrah und Chardonnay ausführlich analysierten. Er liess einen funktionalen, schmucklosen Keller bauen, in dem ausschliesslich mit Schwerkraft gearbeitet wird und keine qualitätsmindernden Pumpen erforderlich sind. Selbstredend, dass die Temperatur im Gärkeller bei Bedarf angehoben werden kann und dass die hereinkommenden Trauben in einem Kühltunnel auf wenige Grad gekühlt werden. Das gesamte Traubengut wird penibel von Hand sortiert, ein Kellermeister aus Frankreich mit einem qualifizierten Team garantiert die kongruente Umsetzung der ehrgeizigen Vorgaben im Sinne Michel Rollands: „Früher heilte und linderte die Önologie, heute beugt sie vor und sorgt für Qualität”. Einen, vorsichtig geschätzt, gut zweistelligen Millionenbetrag dürfte Weber bisher in die Anlage investiert haben, zuzüglich der laufenden Kosten und für intensive Arbeiten an Bekanntheitsgrad und Image. Kein anderes Weingut hat in den letzten Jahren so viele, durchwegs positive Artikel, in Weinfachzeitschriften unterbringen können. Die Bausteine für die Story sind gut und wurden gerne genommen: Junger Deutscher Investor fängt in der Maremma auf der grünen Wiese mit französischem Team bei Null an und will einen neuen Supertuscan produzieren…..
In hochwertig besetzten Degustationen erreichen die Weine von Monteverro, allen voran der gleichnamige Hauptwein, inzwischen regelmässig hohe Punktzahlen, ein funktionierender Vertrieb in Europa, USA und Asien ist aufgebaut und der mutig angesetzte Endverbraucherpreis hat sich auf über 100 Euro etabliert.
Jetzt wird es darauf ankommen, diese Flughöhe zu halten und ständig im Gespräch zu bleiben. Die dreissig Jahre Vorsprung von Masseto und Co. und die bis sechsfach höheren Preise pro Flasche lassen sich nicht in wenigen Jahren einholen.

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Auch der Weinschreiber

lernt gerne dazu und erweitert seinen Horizont. Kürzlich schrieb eine Champagner- und Weinhändlerin einige muntere Zeilen über einen Champagner, den sie im Sortiment führt. Informativ, präzis und ganz ohne die sonst häufig begleitenden Lobhudeleien. Im Paket drei Flaschen eines Champagners, den ich noch nie getrunken, ja von dem ich bisher noch nicht mal gehört oder gelesen hatte, obwohl ich mich beim Champagner ganz leidlich auskenne. Auch die einschlägige Literatur half nicht entscheidend weiter. Das 1923 in der südlichen Champagne gegründete Weingut ist bis heute im Familienbesitz und verarbeitet nur Trauben aus eigenen Lagen, gearbeitet wird klassisch und äusserst qualitätsbewußt. Ich probierte die erste Flasche und war positiv überrascht. Auch die zweite Flasche und dritte Flaschen überzeugten. Die Grande Cuvée Rosé, zu 90 % aus Pinot noir, abgerundet mit etwas rot ausgebautem Wein, schmeckte ausgesprochen delikat. Ich suchte nach den Preisen. In den Unterlagen war nichts, auch auf der Website kam ich nicht weiter. Gerne hätte ich geschrieben, dass gute Qualität auch zu vernünftigen Preisen erhältlich ist. Ob das so ist, werden die Leser dieser Kolumne erfahren, wenn sie einige Flaschen bestellen. Die Champagnermarke heißt LAURENTI und ist erhältlich über www.kuepperundkuepper.de.

P.S. Höchst erfreulich waren die zahlreichen Reaktionen auf winedine.de. Der hier erstemals präsentierte WeinKellerRechner© wird intensiv genutzt. Für Ihre Anregungen und Fragen haben wir weiterhin ein offenes Ohr.

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