WINEDINE

Christian Wenger über Weine, Weinproduzenten, Restaurants & Hotels und Kulinarisches

Blick in die Flasche

15. September 2010, 14:48 Uhr

Wer bisher eine angebrochene Flasche für einige Tage frisch halten wollte, d.h. den Wein vor Oxydation schützen, hatte verschiedene Möglichkeiten. Der Pumpverschluss, mit dem ein leichtes Vakuum in der Flasche in der Flasche erzeugt werden konnte, war das billigste Verfahren, Gerätschaften, mit denen eine schützende Stickstoff-Lage über den Wein gefüllt werden konnte, waren etwas aufwendiger und teurer. So oder so, die Flasche war geöffnet und ihr Ende abzusehen.in the box_finalDas neue Gerät Coravin aus den USA ermöglicht einen Probierschluck aus der Flasche, ohne dass diese geöffnet werden muss. Die Sammler von langlebigen Bordeaux, die nicht den idealen Trinkfenstern von René Gabriel und andern Experten vertrauen wollen, können sich nun ein Bild vom Reifezustand ihrer Flaschen machen, ohne dafür gleich eine opfern zu müssen. Auch jene, denen der Arzt Wein nur noch homöopathische Mengen erlaubt, können ihren Pétrus nun endlich schluckweise über mehrere Wochen geniessen. Für alle andern ist die 299-Euro-Maschine wahrscheinlich doch eher mehr ein nice-to-have als denn unverzichtbar: 1. Das verwendete Argon-Gas ist zwar absolut geruchsneutral, trotzdem kann der Wein beim Abzapfen für ein paar Sekunden leicht moussieren, schliesslich wird er wird unter Druck aus der Flasche durch die haarfeine Nadel ins Glas gepresst – für Puristen eine unwürdige Behandlung für einen edlen alten Wein. 2. Die Argonpatronen, Stückpreis 10 Euro, ermüden relativ schnell – zu hohe Kosten für z.B. Weinhändler. 3. Der Korken jeder Flasche ist anders – welche zusätzlichen Veränderungen er durch das mehrfache Perforieren auf voller Länge erleidet, ist noch unerforscht. Wer es dennoch genauer wissen will: www.coravin.de